|
Die Sprache der Eitlen
Neuerdings kann den Ehrgeizigen, welche die Spielregeln
der skeptizistisch-zynischen Schickeria
noch nicht beherrschen, geholfen werden.
Jahrelang schlug sich Philip Broughton,
Beamter im Gesundheitsdienst der Vereinigten Staaten,
durch das Sprachdickicht, bis er auf ein sicheres Verfahren stieß,
Frustration in Befriedigung zu verwandeln.
In „Das Beste aus Readers Digest“ veröffentlichte er
sein „automatisches Schnellformuliersystem“,
das sich auf dreißig sorgfältig ausgewählte Schlüsselworte stützt:
Spalte 1 Spalte 2 Spalte 3
0 Konzentrierte Führungs- -struktur
1 Integrierte Organisations- -flexibilität
2 Permanente Identifikations- -ebene
3 Systematisierte Drittgenerations- -tendenz
4 Progressive Koalitions- -programmierung
5 Funktionelle Fluktuations- -konzeption
6 Orientierte Übergangs- -phase
7 Synchrone Wachstums- -potenz
8 Qualifizierte Aktions- -problematik
9 Ambivalente Interpretations- -kontingent
Die Anwendung ist einfach.
Denken Sie sich eine beliebige dreistellige Zahl aus
und ordnen Sie ihr die entsprechenden Wörter zu.
Zum Beispiel: 523 ergibt „funktionelle Identifikationstendenz“.
Wenn Sie diesen Begriff ins Gespräch einfließen lassen,
wird Ihnen das eine entschiedene, von Fachwissen überstrahlte
Autorität verleihen. Man wird vielleicht nicht wissen,
wovon Sie reden, aber Sie werden dennoch mit diesem Wortschatz
unschlagbar sein.
Schluss mit lustig.
Eine arrogante „Bla-Bla-Schwätzerei“ ist im Begriff,
uns zu vergewaltigen.
Kommentar:
Noch einige Jahre weiter auf diesem Wege
und ein schnoddriges Modewort wird zum Schlüsselwort:
„Sense!“
Gabriele und Günter Zienterra rufen Ihnen zu:
„Es gibt Orte, Begegnungen und Worte, die bleiben ein Leben lang!
Worte fliegen wie Pfeile. Das treffende Wort trifft gut.“
|