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Newsletter Objekt vom 23.05.2006

Doch wie man den König aus vergangenen Zeiten
richtig ausspricht, ist nur wenigen bekannt,
sagt Christel Tietge - denn sie weiß,
wovon sie spricht.

Gemeinsam mit Gabriele Zienterra schult
sie als Stimm- und Sprechtrainerin
Führungskräfte aus Politik, Medien, Wirtschaft,
Handel und Industrie.
"Wenn sich jemand bei Ihnen vorstellt,
der vielleicht kompetent ist und erfahren,
einen hohen Intelligenzquotienten besitzt,
aber eine schlechte Aussprache hat,
werden Sie ihn meist unterschätzen
und falsch einstufen."

"Deshalb ist die Aussprache als persönliches
Aushängeschild im Berufsleben unheimlich wichtig",

sagt Gabriele Zienterra.
Das haben auch die 10 Teilnehmer des Instituts
für Rhetorik und Kommunikation in Bornheim bei Bonn
beim professionellen Stimmtraining
"Mit unserer Stimme überzeugen" erkannt.
Aus ganz Deutschland sind die Teilnehmer
in das Landhaus, Studio und Trainingspark gereist.

Die Sachsen, Pfälzer, Hessen und Rheinländer
verbindet ein gemeinsamer Wunsch.
Mit Hilfe der Stimm- und Sprechexperten
wollen sie sich ihre falsche Aussprache,
dialektale Einfärbung, wie auch ihre
pastorale und leiernde Satzmelodie abtrainieren.

-ig, -en und -t am Schluss sind Horrorlaute der Sprache,
werden reduziert oder ganz weg gelassen.
Die professionellen Sprechtrainer haben vorgesorgt.
An der Decke des Studios hängt ein Mikrofon.
Außerdem wird das zusätzliche Mikrofon mit dem
gelben Windschutz von Teilnehmer zu Teilnehmer wandern.
Langsam macht sich Unruhe breit.
"Wenn Sie Ihre Aussprache verbessern wollen,
müssen Sie wie ein Marathonläufer trainieren",
sagt Frau Zienterra.

Der erste am Mikrofon ist Gregor F.
aus der Pfalz. Der pfälzische Dialekt ist beim Vorlesen
eines Textes nicht zu überhören. "Meine Kollegen haben
mir mitgeteilt, dass sie mich so schlecht verstehen.
Deshalb bin ich hier", sagt der Familienvater aus Landau.
Verschluckte Endungen können den Eindruck erwecken,
dass wir nicht hinter dem stehen, was wir sagen.
Auch Durchsetzungskraft, Ausdauer, Überzeugung
zeigen sich stark in der Aussprache der Endungen:
"Ich weiß wovon ich spreche, ich habe den Mut,
kann es bis zum Schluss durchziehen..."

Herr F. ist für den Einkauf von Hard- und Software
eines großen IT-Unternehmens zuständig.
"Bei Ihnen, Herr F., müssen wir noch das "ich" rausbügeln,
erklärt Christel Tietge.
Die deutsche Sprache hat einige kniffelige Facetten,
z. B. "Ig" und "t" am Wortende und innerhalb eines Wortes
sind aber die "Horrorlaute" der deutschen Sprache,
sagt Frau Tietge. "ig(t), egal ob am Wortende
oder innerhalb eines Wortes,
wird fast immer ich(t), wie im Wort "Ich", ausgesprochen -
und nicht anders.
Die Skepsis steht den Teilnehmern ins Gesicht geschrieben.
"Dann heißt es also "Könich", und nicht "König", sagt
Frau Ilona K. mit sächsischer Einfärbung.

Genauso wie der König wird in der Standardaussprache
von der "Predicht" und von der Zahl "Neunzich" gesprochen.
Ähnlich ungewohnt ist die Aussprache bei der Kombination
von "ch" und "st" innerhalb der Wörter "höchstens" und "nächstens".
"Sprechen Sie niemals "gs", "ks" oder "x", sondern auch hier
ein deutliches "ch", wenn Sie z. B. von dem
Frankfurter Stadtteil Höchst sprechen",
erwähnen die professionellen Sprechtrainer.

Das ist zuerst einmal für viele ungewohnt und verwirrend.
Auch der Teilnehmer Frank B. aus Clausnitz
möchte seine Aussprache verbessern:
"Ich arbeite als Verwaltungsmanager bei einer
kommunalen Behörde und muss auch ab und
an Bilanzen präsentieren. Da stört
mich einfach mein sächsischer Dialekt."

Gerade die richtige Aussprache von Zahlen fordert
die Teilnehmer heraus. Z. B. ist besonders die Zahl
"Fünf" schwierig auszusprechen, sagt Gabriele Zienterra.
Viele verschlucken bei langen Zahlen wie 55555 das "und".
Oft wird auch das "n" in der Fünf zu einem gesprochenen "m".
Das kann bei Präsentationen zu Verständigungsschwierigkeiten
führen. Auch die Betonung ist für eine klare Aussprache
von weitreichender Bedeutung.
Oft neigen wir dazu, zu viel oder zu wenig zu betonen.
Es kommt sehr häufig vor, dass das "ü" im Rheinländischen
und Sächsischen in dem Wort "Fisch" als "Füsch"
gesprochen wird.
Auch sind Verwechselungen nicht selten,
z. B. B-P, G-K, D-T, S-Z - diese Buchstaben werden
oft ausgetauscht.

"Dann versteht man den Kern der Nachricht nicht mehr.
In der Regel ist es sinnvoller, nur das Hauptwort zu betonen,
da es in unserer Sprache viel mehr Nomen als Verben gibt",
sagt Gabriele Zienterra.

Bei Vorträgen sollen die wichtigen Stellen
besonders hervorgehoben werden,
um das Publikum bei der Stange zu halten.

"Als Controller müssen Sie mehr Zahlen betonen
und nicht die Einheit Euro", verbessert die Trainerin
den Manager aus Sachsen.

Aus dem Studio des Landhauses dringt lautes Gelächter.
Es wird schwer geatmet, anschließend folgt ein kräftiges Summen.
"Keine Sorge, die Mitarbeiter im Institut, die kennen
das hier schon", beruhigt Christel Tietge die Seminarteilnehmer,
die mittlerweile aufgestanden sind.
Jeder von ihnen hält seine Hand an den Bauch.
In den Gesichtern ist ein leichtes Schmunzeln zu erkennen.
An diesem Nachmittag steht noch die richtige Atemtechnik
und Stimmbildung auf dem Seminarplan. "Viele haben bei Präsentationen Angst,
dass ihnen die Luft ausgeht - so pumpen sie sich,
bevor es losgeht bis zum Anschlag mit Sauerstoff voll",
bemängelt Frau Zienterra.

"Zu viel Luft behindert die Stimmentfaltung.
Atmen Sie ruhig und nur aus dem Bauch heraus.
Die Schultern bleiben dabei völlig unten."
Gabriele Zienterra öffnet schließlich die Terrassentür.
Nach den Atemübungen ist die Luft im Studio verbraucht.

Das eine gelungene Präsentation ein Zusammenspiel
so vieler Faktoren darstellt, erstaunt den Logistikmanager
Horst W. Er zieht seinen Pullover, den er über seine Schultern
gelegt hatte, in den Nacken. Im Studio zieht es.
"Bei einem Vortrag ist man doch eh schon angespannt.
Wie soll ich mich dann noch auf die
Sprech- und Atemregeln konzentrieren?"
fragt sich der junge Mann in Jeans und grünem Hemd
- er schließt die Terrassentür.

Profitipp: "Richtiges Sprechen ist wie ein Handwerk.
Das muss ständig neu geübt und verbessert werden",
sagt Gabriele Zienterra. "Nehmen Sie sich nicht gleich
zuviel vor, sonst sind Sie im Kopf nur damit beschäftigt,
alles zu verbessern". Referenten sollen sich vor einer
Präsentation auf einem kleinen Schmierzettel nur ein
bis zwei Punkte notieren, die sie verbessern wollen,
um so Schritt für Schritt an sich zu arbeiten.
Ziel ist es nicht, gleich alles perfekt zu können,
sondern auch ein Gespür für Sprache zu entwickeln.
"Ich kann Ihnen versprechen, heute Abend werden Sie
die Fernsehnachrichten mit ganz anderen Augen sehen
und auch hören", sagt Frau Zienterra.

Stimme - Instrument der Überzeugung
Professionelles Stimm- und Sprechtraining


An unserer Überzeugungskraft
hat die Stimme einen erheblichen Anteil beim Präsentieren,
Beraten, Führen, Motivieren, Verkaufen...
Mit unserer Stimme transportieren wir mehr als Worte:
Die besten Argumente klingen uninteressant,
wenn die Stimme monoton ist. Sie bleiben unverständlich,
wenn wir undeutlich sprechen. Eine angenehme Stimme,
deutliches und ausdrucksstarkes Sprechen sind die Basis
für ein überzeugendes Auftreten.
Wer es versteht seine Stimme einzusetzen,
zieht die Zuhörer auf seine Seite.

Ziele:

- Verständlich und lebendig sprechen
- Den individuellen Sprechausdruck finden und einsetzen
- Souveränität und Kompetenz hörbar werden lassen
- Die persönliche Ausstrahlung stärken
- Mit Stimme Atmosphäre schaffen

Inhalte:

- Die Wirkung der eigenen Stimme
- Vom festen Stand zur festen Stimme
- Optimierung von Körperhaltung und Atmung
- Ökonomisch atmen - besser sprechen
- Die persönliche Stimme
- Die individuelle Resonanz entfalten
- Wenig Aufwand - viel Stimmkraft
- Umgang mit sprechintensiven Situationen
- Klare und deutliche Aussprache
- Stimmliche Präsenz und Ausdruckskraft
- Inhalte interessant und spannend präsentieren
- Mit der Stimme überzeugen, führen, begeistern...
- Standpunkte stimmlich verstärken
- Durch Stimme Vertrauen schaffen

Beide, Frau Christel Tietge - professionelle Stimm- und Sprechtrainerin
und Gabriele Zienterra, Leiterin des Instituts für Rhetorik und Kommunikation,
sehen die Intention ihres Seminars nicht darin; dialektale Einfärbungen aus der Sprache der Kursteilnehmer völlig auszuradieren.
"Sie müssen Ihre Heimat nicht verleugnen.
Dialekt ist etwas Schönes.
Sie sollen nur besser verstanden werden"
,
gibt Gabriele Zienterra zu verstehen.

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