Zienterra Institut für Rhetorik und Kommunikation

Rhetorik Seminare für Gespräche, Präsentationen und Verhandlungen.

Denkanstoß: Liebe Dinge, die ich verliehen habe!

Liebe Dinge, die ich verliehen habe!
Oder, genauer gesagt: Hallo,  hochkomfortables Herrenfahrrad, wo bist du, und wie geht es dir da?
Liebes Buch der asiatischen Küche, kennst du mich noch?

 

Manchmal sehe ich in der Garage das leere Regal. Dann denke ich: Tja, ich nenne zwar ein Fahrrad mein Eigentum, aber da ich es vor ein oder zwei Jahren an einen Mitarbeiter verliehen und nicht zurückbekommen habe, kann man eigentlich nicht sagen, dass ich ein Fahrrad habe.
Es gehört mir, aber ich besitze es nicht, geschweige denn  könnte ich damit fahren.

 

Und dann ärgere ich mich über meinen vergesslichen Mitarbeiter und über all die anderen Leute, die sich irgendwas geliehen und es mir nie zurück gegeben haben.
Zornig macht mich der Verdacht: Die Leute leihen sich was, und geben es mir nicht zurück, weil sie keinen Respekt  vor meinem Eigentum haben, also auch nicht vor mir.

 

Es ist nicht gut, das wissen wir alle, man schadet am meisten sich selbst.
Also: Ich will mich nicht länger so fühlen, als behandle mich jemand schlecht, nur weil er was behält, das mir gehört.

Liebe Dinge, merkt ihr, wie ich euch loslasse?
Ich dachte, ich hätte euch verliehen,in Wahrheit habe ich euch gegeben. Zwei Ereignisse haben mir geholfen,
meine Einstellung zu ändern.
Ein Mitarbeiter kam von einer Dienstreise wieder und erzählte von folgendem westafrikanischem Brauch: Eine Freundschaft hält so lange, wie man Dinge von einander hat, und sie ist in dem Moment beendet, in dem jeder nur noch hat, was ihm selbst gehört.
Eine schöne Vorstellung: Verliehenes, nicht zurückgegebenes, als soziales Netzwerk aus Gegenständen.

 

Und ein Zweites: Neulich bereitete sich ein Mitarbeiter auf eine geschäftliche Reise vor, und er fragte: „Können Sie mir eine Krawatte leihen?“ Ich ging zum Schrank, nahm eine Krawatte aus dem Vorrat und sagte: „Da, schenke ich Ihnen.“
Und mir fiel ein, dass ich das immer schon getan hatte: einfach geben statt zu leihen.

 

So liebe Dinge, das war´s und es ist okay so: Ich fühle mich leichter, weniger ärgerlich, und ihr habt´s bestimmt auch nicht schlecht. Denn ihr seid ja bei Menschen, die ich mag und schätze: Macht´s gut und auf Nimmerwiedersehen!

Egoismus siegt? – Von wegen!

Wer etwas für andere tut, lebt länger, glücklicher und ist erfolgreicher. Weil Selbstlosigkeit in unserer Natur liegt –
und wir dabei viel mehr zurückbekommen, als wir ahnen. Es hängt von uns selbst ab, ob wir das neue Jahr
als Bremse oder als Motor  benutzen wollen.

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Tags: denkanstoß, egoismus, impuls, schenken

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